Erfrischender Glaube

Das Element Wasser verbindet die Religionen

Welche Bedeutung Wasser in den Religionen hat, das haben in Ulm ein Rabbiner, ein Pfarrer und ein Imam vorgestellt.

Wasser in den Religionen

Bild:Bild: Rabbiner Trebnik, Pfarrer Bleil, Imam Polat und Moderator Oliver Schütz (von rechts)

Reinigung und Erfrischung - diese Wirkungen des Wassers verbinden die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Bei einem gemeinsamen Abend wurde die Rolle, die Wasser in diesen Glaubensgemeinschaften spielt, vorgestellt. Dabei zeigten sich viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede.

Spirituelle Reinheit ist der wichtige Zweck bei der Verwendung von Wasser im Judentum, wie der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik erklärte. Waschungen stellen vor allem bei Berührungen mit dem Tod die religiöse Reinheit wieder her. Das gilt auch im übertragenen Sinn, wenn etwa nach dem Schlaf als todesähnlichem Zustand Wasser beim Morgenritual verwendet wird.

Einen Anknüpfungspunkt an das Judentum sah Pfarrer Volker Bleil von der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde in Ulm bei der christlichen Taufe. Diese geht auf den jüdischen Prediger Johannes zurück, der im Jordan Menschen als Zeichen der Umkehr und des Neubeginns taufte. Mit der Taufe verbinden Christen nicht nur eine Vergebung der Sünden, sie werden auch Teil der Kirche und verstehen sich als Kinder Gottes.

Im Islam erfüllt das Wasser eine wichtige Funktion beim regelmäßigen Gebet. Die Gebetszeiten werden mit einer Waschung begonnen, um symbolisch gereinigt vor Gott zu treten. Imam Israfil Polat erklärte den Vorgang des Waschens, der zur Not auch mit Sand durchgeführt werden kann. Für das Ritual der Totenwaschung konnten in Ulm, wie er berichtete, entsprechende Räume und Sensibilität bei den Verantwortlichen geschaffen werden.

Das interessierte Publikum nutzte die Gelegenheiten für Fragen, unter anderem zur Mikwe in der Ulmer Synagoge, zur christlichen Kindertaufe und zu Möglichkeiten des islamischen Gebets im Berufsalltag. Zudem bestand großes Interesse an der Arbeit des Rats der Religionen in Ulm, dessen drei Sprecher an diesem Abend über die Schwerpunkte des Gremiums Rede und Antwort standen.

Die Veranstaltung unter dem Titel „Wasser in den Religionen“ fand am 15. November 2016 im Roncallihaus in Ulm als Kooperation des Rats der Religionen und der keb Katholischen Erwachsenenbildung statt. Moderator Dr. Oliver Schütz von der keb wies darauf hin, dass der Namensgeber des Hauses, Angelo Roncalli als Papst Johannes XXIII. einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Religionen und Konfessionen geleistet hat.



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