Sterben in Würde ermöglichen

Woche für das Leben 2015

Eine Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung am 27. April 2015 in Ulm griff die aktuelle Diskussion um die Sterbehilfe auf

Bild:Angelika Kamlage - Sterben in WürdeUlm, 27.4.2015. Zu ethischen Fragen am Lebensende nahm Prof. Eberhard Schockenhoff von der Universität Freiburg Stellung. Als falschen Weg bezeichnete Schockenhoff die Forderung nach einer Freigabe der Beihilfe zum Suizid durch Ärzte oder Organisationen. Es sei damit zu rechnen, dass der Bundestag organisierte und kommerzielle Unterstützung bei der Selbsttötung, wie in der Schweiz möglich, verbietet. Die Medizin müsse sich noch stärker als bisher für palliative Hilfe und den Verzicht auf Therapien öffnen, wo diese nicht mehr sinnvoll und von den Betroffenen nicht gewünscht sind. Individuellen Entscheidungen für eine Beendigung des eigenen Lebens sei zwar mit Respekt zu begegnen. Zu hinterfragen sei aber das Verständnis von Autonomie und Selbstbestimmung, das oft als Begründung hierfür diene. Der Druck auf kranken Menschen nehme wegen des falschen gesellschaftlichen Ideals eines perfekten, leidfreien Lebens zu. Auch ökonomische Gründe der Kostenersparnis dürften keine Motivation dafür sein, Menschen subtil zum Suizid zu bewegen. Klar abzulehnen sei eine Tötung auf Verlangen. Eine humane Gesellschaft müsse auch schwachen und kranken Menschen unbedingte Achtung ihrer Würde entgegen bringen. Die Abhängigkeit von anderen und das Angewiesensein auf Hilfe gehörten zutiefst zum Menschsein und seien keine unwürdigen Zustände. Statt Hilfe zum Sterben müsse daher deutlich mehr Aufmerksamkeit auf die Hilfe im Sterben gerichtet werden.

Dies wurde von den Vertreterinnen der ambulanten Hospizarbeit bestätigt. Die letzte Lebensphase eines Menschen sei eine wichtige und sehr intensive Erfahrung für die sterbende Person sowie ihre Angehörigen. Der Wunsch nach Suizidbeihilfe komme in der Praxis praktisch nicht vor, berichteten die Einsatzleiterinnen. Ein schneller Tod sei nicht der vorherrschende Wunsch, so Brigitte Walser von der Hospizgruppe Donau-Schmiechtal. Vielmehr hingen auch Schwerkranke sehr am Leben, vor allem in einer vertrauten Umgebung. Dabei sei eine Atmosphäre des Vertrauens wichtig. „Sterbende sind für uns Schutzbefohlene“, formuliert Bettina Müller von Hospizgruppe Iller-Weihung, jeder Gedanke an eine aktive Beendigung eines Lebens liege da ferne. Bedarf sehen die Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit beim Ausbau der notwendigen Versorgung in der Fläche. Auch im ländlichen Raum müsse die medizinisch-palliative, die pflegerische sowie die spirituell-soziale Begleitung Sterbender sicher gestellt sein.

Einen wichtigen geistlichen Impuls gab die Ulmer Klinikseelsorgerin Rachel Rau. Sie fragte nach der Einstellung jedes Einzelnen und der Gesellschaft zur menschlichen Schwachheit. Was bei Neugeborenen jedem einleuchte, sich dem schwachen Leben zuzuwenden, müsse auch angesichts des Todes gelten. Menschliches Leben dürfe nicht von seiner Leistungsfähigkeit und seinen Defiziten her definiert werden. Sterben in Würde, so das Fazit der Veranstaltung, bedeutet nicht, die Existenz möglichst schnell zu beenden, sondern ein bewusstes, gut begleitetes Ende des eigenen Lebens, das sich damit rundet.



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